Fotos ohne Gedächtnis – Das große Vergessen bei Twitter und Facebook und was Sie dagegen tun können

In der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nutzen zahlreiche Organisationen gerne Fotos, um ihre Inhalte in sozialen Netzwerken mit einem höheren Aufmerksamkeitswert und mehr Informationsgehalt zu versehen. Dabei sind verschiedene rechtliche und praktische Konsequenzen bei der Veröffentlichung in sozialen Netzwerken zu beachten. In diesem Beitrag geht es um die negativen Konsequenzen des Verlustes von Foto-Metadaten bei Twitter und Facebook und darum, wie Sie diese Folgen mittels Bildmanagement verhindern können.

Die verwaisten Fotos

Über das Erfordernis der Einbindung von Bildinformationen in Fotodateien als eine Aufgabe des modernen Bildmanagements habe ich in meinem Beitrag vom 28. Oktober 2014 berichtet. Die als Metadaten bezeichneten und für eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit unerlässlichen Bildinformationen werden mit dem Posten des Fotos jedoch auf Twitter und Facebook automatisch gelöscht. Sie werden weder darüber informiert noch können Sie diese Löschung verhindern. Bei Twitter werden sogar Copyright-Vermerke entfernt, während der Filter bei Facebook so eingestellt ist, dass wenigstens noch diese Angaben erhalten bleiben.

Der Verlust von Metadaten der Fotos hat Folgen, die häufig nicht bedacht werden, wenn Bilder im Internet verbreitet werden. Durch das grundsätzlich erwünschte Teilen von Beiträgen wird die der Metadaten beraubte Datei „vermehrt“. Weder Ursprung noch der Veröffentlichungs-Kontext gehen aus dem heruntergeladenen Foto hervor.

 

Metadaten-blog-nordbild
Metadaten werden in spezielle Felder eingetragen. Hier werden Bildtexte mit FotoStation bearbeitet und eingebunden. Die digitalen Informationen sind nicht im Bild sichtbar, aber auslesbarer Bestandteil der Bilddatei

 

Gefahr der Verletzung von Persönlichkeitsrechten

Für Pressestellen und Journalisten ist besonders wichtig, dass kein Missbrauch mit ihren Bilddaten betrieben werden kann, z.B. dadurch, dass die Bilder in einem falschen Kontext gezeigt und damit Persönlichkeitsrechte abgebildeter Personen verletzt werden. Dies ist einer der wichtigen Gründe, warum die Bilddaten auch mit Metainformationen versehen sein müssen.

Werden Bilder in einem aktuellen Zusammenhang mit Personen gepostet, kann dasselbe Foto in einem anderen Zusammenhang gezeigt, die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Personen verletzen. Bild-Metadaten dienen Ihrer Rechtssicherheit. Sie erhalten mit der Bildbeschreibung den Veröffentlichungs-Kontext des Fotos, so dass dieses Foto, auch losgelöst aus dem Zusammenhang, immer einem Thema zuzuordnen ist und nicht für andere Themen „gekidnappt“ werden kann. Mit der in die Datei eingebundenen Bildbeschreibung erfüllen Sie eine Sorgfaltspflicht gegenüber den abgebildeten Personen.

 

Rechtsunsicherheit bei der Urheberschaft und Nutzung

Umstritten ist, inwieweit Nutzungsrechte geposteter Bilder an den Netzbetreiber übergehen und in welchem Umfang das durch die AGB begründet werden kann und darf. Unumstritten ist, dass die Urheberschaft nicht durch ein Rechtsgeschäft oder einen Realakt aufgegeben werden kann. Sie bleiben immer Urheber Ihrer Fotos und damit haben Sie eine Rechtsstellung, die auch erkennbar sein sollte. Die erkennbare Urheberschaft und die Angaben zur Herkunft begründen weiter eine Vermutung bezüglich des Rechtsinhabers der Nutzungsrechte. Zusätzlich erfüllen diese Angaben eine Impressumsfunktion zum Bildbeitrag (siehe hierzu auch „IPTC-Studie zum Umgang mit Metadaten sozialer Netzwerke“ auf heise online).

Recht auf Namensnennung

Haben Sie Bilder anfertigen lassen, hat der Fotograf grundsätzlich ein Recht auf Namensnennung. Durch die vollständige Löschung aller Metadaten und die Weiterverbreitung des verwaisten, herrenlosen Bildes wird die Namensnennung der Fotografen auch bei gutem Willen unmöglich. Für die Form der Namensnennung gilt die „Dauerhaftigkeit“. Hiermit ist gemeint, dass Name und Bild stets gleichzeitzig sichtbar sind. Die sicherste Lösung dafür ist es, den Urhebernamen direkt in das Bild zu schreiben. Der Name erscheint dann als Pixelbestandteil des Bildes, egal wohin es „geteilt“ wird. Aber Vorsicht: Der Fotograf muss mit dieser Form der Namensnennung einverstanden sein. Er könnte sich sonst auf eine „unbefugte Veränderung“ seines Werkes berufen. Deshalb ist auch die Verwendung des Logos Ihrer Organisation direkt im Bild, als „grafische“ Metainformation (siehe unten) durch den Urheber zustimmungsbedürftig.

Kein Werbeeffekt für Ihre Organisation bei der Bildersuche

Die über Facebook und Twitter weiterverbreiteten Bilder haben für Sie keinen Werbeeffekt, wenn sie der Metadaten beraubt sind. Diese Bilder werden nämlich nicht mit den von Ihnen bestimmten Angaben im Netz eingelesen. Das bedeutet, dass über die Bildersuche im Internet Ihre Fotos nicht mehr aufzufinden sind, wenn z.B. der Name Ihrer Organisation bei der Suche eingegeben wird. Den Verlust der Kontrolle über Ihre Fotos können Sie nicht ganz vermeiden. Es gibt jedoch trotz der gelöschten Metadaten Möglichkeiten des Bildmanagements, die einem Missbrauch entgegenwirken.

Rechtliche Bewertung

Die Löschung von Metadaten, die Angaben zur Urheberschaft und die Nutzungsbedingungen enthalten, kann ein Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz und gegen das Bundesdatenschutzgesetz darstellen.

Urheberrecht

§ 95c UrhG „Schutz der zur Rechtewahrnehmung erforderlichen Informationen“ bestimmt, dass auch elektronische Informationen der Rechteinhaber zur Rechtewahrnehmung nicht entfernt werden dürfen. Hierzu gehören nicht nur Informationen über Nutzungsrechteinhaber, sondern auch die Nutzungsbedingungen eines Werkes.

Datenschutzgesetz

Auf Anfrage der Nordbild GmbH zum Thema Rechtmäßigkeit der Löschung von Bild-Metadaten durch Betreiber sozialer Netzwerke teilt das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein durch Dr. Thilo Weichert dazu mit:

So kann das Löschen von datenschutzdienlichen Metadaten als Verletzung des § 9 BDSG (technisch-organisatorische Maßnahmen) angesehen werden. Rechtlich gewagter, aber nicht völlig abwegig ist der Ansatz zu behaupten, ein Datensatz würde i .S. v. § 35 Abs. 1 BDSG „unrichtig“, wenn die Metadaten gelöscht werden, was einen Berichtigungsanspruch auslösen würde. Erwägenswert ist auch, dass durch die Beseitigung der Metadaten der Gesamtdatensatz „unzulässig“ wird, weil z.B. die Zweckbindung beseitigt wird, was dann einen Löschungsanspruch zur Folge hätte (§ 35 Abs.2. 2 Nr. 1 BDSG).

Bild-Metadaten werden in Fotografien im IPTC Standard eingebunden. Sie können von Bildnutzern über Bildmanagement-Programme und Browser ausgelesen werden. Die Daten geben nicht nur Auskunft über Herausgeber- und Urheberschaft, sondern sie ermöglichen auch durch Zweckbestimmung der Nutzung den Schutz der allgemeinen Persönlichkeitsrechte abgebildeter Personen. Die Löschung von Metadaten führt weiter zu einer „Verwaisung“ von Bilddaten, die in einigen Ländern zum Verlust urheberrechtlicher Ansprüche (z.B. Vergütungen für die Nutzung) führt.

Die Stellungnahme der ULD wurde im Hinblick auf die Praxis bedeutender Betreiber sozialer Netzwerke, Metadaten mit dem Posten ungefragt und automatisch zu löschen, eingeholt.

 

Twitter und Facebook überlisten – Die grafischen Metadaten

Eine Alternative zu digitalen Metadaten ist die Einbindung von grafischen Metadaten zur Herkunft, zur Urheberschaft und zur Beantwortung der  „journalistischen Ws“ (Bildbeschreibung). Ihr Foto wird in der Herkunft erkannt und ein Missbrauch durch Veröffentlichung im falschen Veröffentlichungs-Kontext wird erschwert, da zur Entfernung der grafisch angebundenen Bildinformation erhöhte kriminelle Energie notwendig ist.

So können Sie vorgehen, um Ihre Fotos vor Missbrauch zu schützen:

  • Versehen Sie Ihre Datei wie gewohnt mit Metadaten über Ihr Redaktionsprogramm
  • Erstellen Sie mit dem zweiten Schritt eine Kopie des Fotos mit den grafischen Metadaten Urhebervermerk bzw. Wasserzeichen und Bildbeschreibung

 

Metadaten Fotostation

 

Der zweite Schritt kann über eine Bildmanagement-Software, wie bei der obigen Abbildung mit FotoStation, als eine „Aktion“ per Mausklick ausgeführt werden. Aus den digitalen Metadaten wird ein Textfeld regeneriert und am Bildrand des Fotos gezeigt. Zusätzlich kann ein Wasserzeichen oder ein Banner mit den Copyright-Angaben frei in dem Foto platziert werden. Auch das geschieht mit derselben Aktion, mit der Sie ein Textfeld an das Bild anhängen. Das obige Bild zeigt ein Gestaltungsbeispiel der verschiedenen Möglichkeiten.

 

Kamera, Apfel und Wasserzeichen aus dem Firmenloge der Nordbild GmbH erstellt
Beispiel für ein mit FotoStation platziertes Wasserzeichen

 

Ihr so gepostetes Foto ist damit trotz der gelöschten digitalen Metadaten weiter eindeutig als Ihr Produkt und Ihr Beitrag zu einem von Ihnen bestimmten Sachverhalt zuordbar.

Eine genaue Anleitung zum Erstellen von grafischen Metadaten mit der Software FotoStation finden Sie bei Xenario. Wie Sie ein Wasserzeichen mit Photoshop erstellen, erfahren Sie hier: http://blog.xenario.de/blog/2015/3/26/photoshop-erstellung-eines-wasserzeichen-vorlage

Christian Eggers, Nordbild GmbH, 06.01.2015, überarbeitet und ergänzt am 27.04.2015. Letzte Ergänzung am 21.9.2015 „rechtliche Bewertung“.

 

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Warum Sie nicht auf Metadaten verzichten sollten

Bildmanagement in der Öffentlichkeitsarbeit