Porträtfotografie als Herausforderung

Das Foto zeigt das Sutdio-Porträt einer junge Frau.
Das Studio-Porträt: Die Umwelt bleibt draußen, und das ermöglicht Ruhe, Konzentration  und kontrolliertes Licht.

Persönlichkeit, Individualität, Charakter und Temperament sind die Themen der Porträtfotografie. Gute Porträtfotografie zeigt einen Teil des Wesens eines Menschen. Damit ist das Porträt das spannendste und faszinierendste Thema, dem sich Betrachterin und Betrachter wie auch Fotografin und Fotograf stellen können. Die zahlreichen Abbildungen des Menschen und seiner verschiedenen Gesichter sind die Folge des „fundamentalen Interesses am Mitmenschen (und uns selbst); unser Informations- und Dokumentationshunger ist so alt wie die Menschheit“, schreibt Roland Kiefer in seinem preisgekrönten Lehrbuch-Klassiker “Nikon Fotoschule”.

Gesichter sind nicht wegzudenken aus der Berichterstattung. In den Medien nehmen Personalien und das Handeln von Personen den größten Raum ein. Nach übereinstimmenden Untersuchungen erreichen Veröffentlichungen die höchste Aufmerksamkeit, wenn ihnen ein Porträtfoto beigestellt ist und der Beitrag damit sprichwörtlich „Gesicht“ zeigt.

Menschen kennenlernen

Porträtfotografie bedeutet Menschen kennenzulernen – und zu verstehen, welche Erwartungshaltung die Bildbetrachterin und der Bildbetrachter hat. Weiter bedeutet Porträtfotografie, Beziehung herzustellen. Fotografin oder Fotograf müssen sich mit der zu fotografierenden Person über den Zweck des Porträts einigen. Der sensible Umgang mit Licht und Kamerastandpunkten muss im Dienste der Körperlichkeit und des inneren Wesens des Porträtierten stehen.

Porträtfotografie erfordert Haltung

Erfolgreich Porträtfotografie zu erlernen ist ein Vorgang, der eine Haltung voraussetzt: „Es ist eine entscheidende unbequeme Einsicht, dass letzten Endes nicht der Fotograf darüber befindet, wie gut oder schlecht eine Aufnahme ist, sondern derjenige, der die fertige Aufnahme betrachtet. Denn von ihrer Anlage her ist die Fotografie ein Kommunikationsmittel und damit ein Informationsträger zwischen mindestens zwei Menschen.“ (Roland Kiefer)

Journalistische Porträtfotografie lernen

Ein indischer Motorradfahrer trägt in Hamburg statt eines Helms einen Turban
Reportageporträt: Der Porträtierte wird mit seinen Lebensumständen durch Handlungen, Gegenstände und Orte in eine Beziehung gesetzt. Sie müssen dabei überlegen, wie Sie eine „Geschichte“ über einen Menschen erzählen

Die Besonderheit der journalistischen Porträtfotografie ist der enge Rahmen der Form des Fotoangebotes. Soll das Foto neben dem Auftraggeber auch noch eine Vielzahl von Betrachtern ansprechen, geht es dem Fotografen wie einem Kantinenkoch: Es muss einer Vielzahl sehr unterschiedlicher Menschen schmecken. Daher kann der Koch seine persönlichen Vorlieben nur in einem begrenzten Umfang einbringen. Dennoch muss er sehr gut kochen können, damit es möglichst vielen Menschen schmeckt. In meinen Workshops zur Porträtfotografie lernen Sie als Journalist zu denken, Formerfordernisse der journalistischen Porträtfotografie zu erfüllen und sich mit den anerkannten Darstellungsformen einen Handlungsspielraum in der Bildgestaltung zu verschaffen.

Das Foto zeigt ein Reportageporträt zu der Meldung “Innenbehörde erlaubt Turban statt Motorradhelm”. Als gläubiger Sikh darf dieser in Hamburg lebende Inder seinen Turban in der Öffentlichkeit nicht abnehmen, auch nicht für den vorgeschrieben Motorradhelm. Nach monatelangen Bemühungen des Motorradfahrers befreite ihn die Hamburger Innenbehörde von der Helmpflicht.