Fünf Tipps für die Pressearbeit mit Gruppenfotos – Erfolgreich planen und fotografieren

Hauszeitschriften, Geschäftsberichte, Flyer, Firmenprospekte und Homepage: Kaum eine Pressestelle verzichtet auf die Veröffentlichung von Teamfotos ihrer Organisation in Print und Internet. Damit das Gruppenbild für alle Beteiligten ein Erfolg wird, ist die Zusammenarbeit zwischen Ihnen als Mitarbeitenden der Pressestelle, den Gruppenmitgliedern und, sofern Sie nicht selber fotografieren, dem Fotografen von entscheidender Bedeutung. Worauf es von der Planung bis zur Bildveröffentlichung ankommt, erfahren Sie in diesem Artikel.

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Die Feuerwehr Lüneburg ist an einem Sonntagmorgen vor dem Rathaus zum Gruppenfoto angetreten. So akkurat geht es wohl nur mit dem Organisationstalent einer Feuerwehr. Für 9:00 Uhr war der Termin angesetzt; die Rathausuhr zeigt 9:01 Uhr. Die Planung des Fotos benötigte mehrere Tage

1. Zeitdruck vermeiden

Planen Sie großzügig. Zwischen Tür und Angel ist wohl nur selten ein Gruppenfoto mit positiver Ausstrahlung entstanden. Termindruck der Gruppenmitglieder und des Fotografen erzeugen sichtbaren Stress. Die Motivation der Gruppenmitglieder sinkt von Minute zu Minute. Je größer die Gruppe, umso mehr Regiearbeit ist für den Fotografen und den Mitarbeiter der Pressestelle zu leisten. Für den Termin sollte daher mindestens eine Stunde geplant werden. Ist das Bild früher im „Kasten“, umso besser. Die verbleibende Zeit kann für eine weitere spontane Aufstellung mit einem anderen Hintergrund z.B. nach Ideen der Gruppenmitglieder genutzt werden.

2. Aufnahmeort gut kennen

Sehen Sie sich den Aufnahmeort vor der Aufnahme zusammen mit dem Fotografen gut an. Wo wird die Sonne zum Zeitpunkt des Termins stehen? Wird es ohne den Einsatz zusätzlicher Lichtquellen Schlagschatten in den Gesichtern geben? Soll ein bestimmter Hintergrund, z.B. ein Gebäude, sichtbar sein, ist die exakte Ermittlung der für den Termin zu erwartenden Lichtverhältnisse unerlässlich. Und was ist, wenn das Wetter wider Erwarten stürmisch und regnerisch ist, also anders als vorhergesagt? Dann haben Sie hoffentlich schon dank Ihrer Ortskenntnis den Plan B zur Wahl einer trockenen Örtlichkeit in der Tasche.

IPN Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Mitarbeitende Gruppenbild, 02.07.2015, Kiel (Foto IPN / C. Eggers) IPN Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Mitarbeitende Gruppenbild, 02.07.2015, Kiel (Foto IPN / C. Eggers)
Das Team der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eines Institutes an der Universität Kiel: Ein Teleobjektiv ermöglicht es, die Personen vom Hintergrund zu lösen und so die Konzentration auf die Gesichter zu lenken. Vermeiden Sie frontales Sonnenlicht, es macht die Augen „klein“ (mit freundlicher Genehmigung des IPN Kiel)

3. Regie führen

„Kleine nach vorne!“ Die Regel ist ja auch richtig. Nur die sich so angesprochen Fühlenden könnten sehr schlechte Laune bekommen. Seien Sie einfühlsam: Hierarchien und Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander sollen manchmal im Bild sichtbar werden. Das können Sie schon bei der Planung erfragen und berücksichtigen und wenn Sie nicht selber fotografieren mit dem Fotografen besprechen.

Verdeckte Personen ansprechen

„Der Herr da hinten rechts! Könnten Sie ein wenig nach links rücken?“ Mit dieser oder einer ähnlichen Ansprache erreichen Sie, dass sich mindestens drei Personen angesprochen fühlen und sich in die unterschiedlichen Richtungen bewegen, nur nicht so, wie Sie es möchten. Besser ist es, wenn der Fotograf und Sie als Mitarbeiter der Pressestelle bei der Aufstellung eine Skizze mit den Namen der Damen und Herren anfertigen. Sie und der Fotograf können dann die nicht optimal stehenden Personen namentlich ansprechen.

Bei größeren Gruppen, ab zwanzig Personen, kann es auch hilfreich sein, die verdeckten Personen so aus der Reserve zu locken: „Wenn Sie den Fotografen jetzt alle sehen, dann sind Sie auf dem Bild auch zu sehen.“

Mit der Gruppe kommunizieren

Lassen Sie die Gruppe nicht im Unklaren, was Sie gerade vorhaben. Stehen die Personen wie gewünscht, sagen Sie das auch. Ermutigen Sie: „Das sieht aber gut aus! Und los geht es!“ So halten Sie den Kontakt und sichern sich die Aufmerksamkeit der einzelnen Personen im Moment der Aufnahmen.

4. Das andere Bild

Ist das „offizielle“ Foto gemacht, gibt es einen sehr schönen Moment, den Sie nicht verschenken sollten. Sie teilen mit, dass das Foto jetzt fertig ist und Sie bedanken sich für die Aufmerksamkeit. Jetzt „lockert“ sich die Gruppe zur Auflösung. Die Personen entspannen sich. Und genau diese drei bis fünf Sekunden fangen Sie als Serienaufnahme ein. Mit etwas Glück, findet sich in dieser Serie ein sehr viel natürlicheres und lebendigeres Bild, als das in der „Achtung! Sie werden fotografiert“-Auswahl der Fall sein kann.

IPN Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Mitarbeitende Gruppenbild, 02.07.2015, Kiel (Foto IPN / C. Eggers) IPN Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Mitarbeitende Gruppenbild, 02.07.2015, Kiel (Foto IPN / C. Eggers)
Entspannung: Nach dem „offiziellen“ Foto besteht häufig noch die Möglichkeit für ein weiteres, spontanes Motiv  (mit freundlicher Genehmigung des IPN Kiel)

Pflicht und Kür

Wie schon angesprochen, kann verbleibende Zeit für ein weiteres Motiv genutzt werden. Wenn Sie als Mitarbeiter der Pressestelle noch eine Idee für ein anderes Bild haben (so könnte die Gruppe ja auch noch einmal lose zusammenstehen und von einem erhöhten Standpunkt aus aufgenommen werden), bitten Sie die Gruppe dabei mitzuwirken. Oder Sie überlassen es der Gruppe Ideen einzubringen. Auch wenn diese Bilder dann nicht so perfekt werden, sind sie häufig „authentischer“; die einzelnen Persönlichkeiten agieren freier und entspannter. Und genau das tut der Fotograf auch: Denn er hat ja das „Pflichtbild“  gemacht. Jetzt kann er sich nur noch verbessern.

5. Bildauswahl

Treffen Sie als Medienexperte eine strenge Vorauswahl und legen Sie nur diese Bilder zur Einwilligung in die Veröffentlichung vor. Damit unterstützen Sie den gelegentlich sehr mühsamen Entscheidungsprozess zur Freigabe des Fotos.

Bildbearbeitung im Konfliktfall

Zum Glück nur selten kommt es zu einem Konflikt zwischen den abgebildeten Personen. Die Gruppe kann sich nicht einigen. Ohne die Einwilligung jeder einzelnen abgebildeten Person darf auch ein Gruppenfoto nicht veröffentlicht werden. Beispiel: Bis auf Herrn Müller haben sich alle Mitglieder eines Aufsichtsrates einverstanden erklärt und der Veröffentlichung eines ausgewählten Fotos zugestimmt. Auch finden die Mitglieder, dass Herr Müller doch sehr gut auf dem mehrheitsfähigen Foto aussieht und er sich nicht so anstellen soll. Aber Herr Müller will lieber das Bild, auf dem er sich günstiger abgebildet sieht. In diesem Fall können Sie dank digitaler Technik und Photoshop anbieten, dass der Kopf von Herrn Müller aus einer wenige Sekunden vorher oder nachher entstandenen Aufnahme in dem von den anderen Gruppenmitgliedern genehmigten Foto erscheint. Natürlich sollten Sie dann, wenn es sich um Pressebilder (Handouts) handelt auch den Hinweis „Montage“ in die Metadaten der Bilddatei aufnehmen.